Aus „Der OnVista-Börsenfuchs“

Eine große Chance für die Aktie

Hallo Leute! Welche Note gebt Ihr dem alten Jahr? Die Antworten fallen mit Sicherheit ganz unterschiedlich aus – sie hängen davon ab, ob Ihr ein glückliches Händchen bei der Geldanlage hattet. Das wird sich auch 2017 nicht ändern. So’n paar Eckpunkte sind ziemlich sicher: Inflation und Zinsen bei den Amis werden weiter steigen, bei uns höchstens ein bisschen. Die Konjunkturverläufe bleiben unterschiedlich, in den meisten Ländern und Branchen aber positiv. Und (mein altes Thema): Politische Entwicklungen werden noch stärker als 2016 auf Wirtschaft und Finanzmärkte einwirken.

„2017 wird ein tolles Börsenjahr“, posaunt ein durchaus erfahrener, seriöser Marktbeobachter, der „sicher“ ist, dass der Dax seine historischen Höchststände vermutlich schon im ersten Quartal überbieten und der Dow Jones seine Rekordjagd fortsetzt wird. Nee, so mutig bin ich nicht, obwohl dieser Bulle vielleicht richtig liegt. Die Einschätzung der befragten Analysten von 24 Banken, Fonds und Versicherern ist laut FAZ weitaus vorsichtiger, denn im Durchschnitt erwarten die bloß ein leichtes Plus auf 11.713 Punkte. Und Dr. Ulrich Stephan, der Chef-Anlagestratege der Deutschen Bank, schreibt mir heute: „Für den deutschen Aktienmarkt rechne ich mit einem schwankungsintensiven Jahr: Die Jahresendprognose für den Dax liegt bei 11.800 Punkten.“ Meine massive Glaskugel (= wirklich sauschwer) liegt noch in einem Büro in der Frankfurter Börse.

Feste Börsen könnten das Standing der Aktie in Deutschland verbessern – das ist mir wichtiger als eine 12-Monats-Betrachtung der Kurs-Chancen. Ich verweise auf die Sorgen des Chefs vom ifo-Institut: „2017 könnte das allerschlechteste Jahr für Kleinsparer seit langem werden“, sagte Clemens Fuest in einem Interview. Schuld daran sei die steigende Inflation, die in Deutschland auf 1,5 Prozent zulegen werde, während die Zinsen weit darunter blieben. Das heißt, das Vermögen der Bürger werde so stark wie lange nicht mehr entwertet.

Genau. Das „allerschlechteste Jahr“ – hoffentlich lesen das viele Bundesbürger! Ich sehe in dieser Aussicht das Positive: Immer mehr Kleinsparer können – besser: müssen – endlich kapieren, dass Ihnen nur Sachwerte wie Aktien und Immobilien Schutz vor Kaufkraftverlust bzw. reale Wertsteigerungen bieten können. Eigentlich müssten sich jetzt, genau jetzt alle Anlagestrategen der Finanzindustrie ohne langes Nachdenken an ihre Kunden wenden, um sie von verstärkten Engagements in Dow, Dax & Co. zu überzeugen. Ja, ja, das hätte schon früher geschehen können. Aber so ein Jahresbeginn mit der üblichen Aufbruchsstimmung ist halt eine ideale Gelegenheit.

Konkret: Neben der Präsenz auf den nächsten Börsentagen wäre es schön, wenn Banken und Fonds auch über eigene Veranstaltungsreihen auf die Privatkunden zugingen. Es ist die Zeit für die Förderung der Aktie! Und ich wiederhole gern auch meinen früheren Vorschlag: In jeder Bank- und Sparkassenfiliale sollte an prominenter Stelle die grafische Darstellung der langjährigen Renditeentwicklung deutscher Aktien („Dax-Rendite-Dreieck“ des Deutschen Aktieninstituts) aufgehängt werden – das beste Argument für die Aktienanlage! Übrigens: Wer bei der Kundenansprache meine Unterstützung als alter Börsenfuchs gebrauchen kann, möge sich an mich wenden!