Aus: Der OnVista-Börsenfuchs

Neue Normalität

Hallo Leute! Mannomann, es wird immer verrückter (= komplizierter). Was da von den Börsenprofis so alles gesagt, geschrieben und prognostiziert wird – nee, die blicken selbst nicht mehr durch. Schon die Tatsache, dass die Fragezeichen rund um die Finanzmärkte immer dicker werden, die Kurse (zumindest die der Aktien) aber schön stabil bleiben, lässt sich nur mit dem Rückhalt durch die Gelddruckmaschinen namens EZB und Fed begründen. Logo, es gibt immer wieder Ausreißer bei einzelnen Werten, die von Neuigkeiten ausgelöst werden. Aber sonst – einfach coole Kurse. Noch.

Die folgenden Beobachtungen der Börsenjournalisten zum Wochenschluss geben schon ein Beispiel, wie verdammt schwer (wenn nicht unmöglich) es ist, von der Gegenwart auf die Zukunft zu schließen: „Der Euro verbilligte sich um mehr als einen halben US-Cent auf 1,0862 Dollar. Dadurch werden Waren einheimischer Firmen auf dem Weltmarkt wettbewerbsfähiger … Ernüchternde Nachrichten von den Unternehmen überschatteten aber die Erleichterung über eine Fortsetzung des sogenannten Quantitative Easing (QE). Zwar hätten einige Firmen mit ihren Zwischenbilanzen die recht hohen Markterwartungen übertroffen, sagte eine Volkswirtin. Aber die Realität sieht ernüchternder aus: Die Vorhersagen der Unternehmen sind schwach. Als Beispiel hierfür gilt Daimler. Die Zahlen waren super, aber der Ausblick dämpft … SAP entzückte hingegen mit einer leichten Anhebung seiner Gewinn-Prognose.“

Aber das ist ja nur ein Teil der Story. Ich vereinfache das Ganze mal und konzentriere mich auf meine drei Eckpunkte, die für mehrere bis viele Jahre gelten können, nicht nur für 2017: Weltwirtschaft wächst weiterhin nur mäßig, Inflation steigt tendenziell, bleibt aber trotzdem ziemlich niedrig, Zinsen steigen auch (erst bei den Amis, bei uns im Verlauf von 2017), bleiben aber historisch gesehen unattraktiv niedrig. Das wäre so etwas wie eine neue Normalität, an die wir erst mal gewöhnen müssten.

Dazu passt: Bei den meisten internationalen Vordenkern setzt sich inzwischen die Erkenntnis durch, dass die Geldpolitik an die Grenzen ihrer Wirksamkeit gestoßen ist und weitere Lockerungsmaßnahmen der Wirtschaft aufgrund der negativen Effekte auf das Finanzsystem eher schaden würden. Die entwickelten Volkswirtschaften scheinen somit in einer Liquiditätsfalle zu stecken, als Standardlösung gilt eine expansive Fiskalpolitik. Die Investoren gucken jetzt also mit einem Auge auf die Notenbanken, mit dem anderen auf Vater Staat.

Was heißt das, meine Freunde? Die neue Normalität wird den Anleihemarkt schwer unter Druck setzen – die Anfänge haben wir gerade erlebt. Wenn ein Crash, dann bei Staatsanleihen. Ein paar Strategen haben jetzt ihren Anlegern ziemlich deutlich zugerufen, sie sollten ihre Bonds schnell verkloppen. Das kann anfänglich auch die Aktienkurse belasten. Aber keine Angst: Dax & Dow werden auf Dauer von der neuen Normalität profitieren, denn irgendwohin muss die Kohle ja. Große Kapitalsammelstellen, die ohnedies auf Bergen von Liquidität sitzen, werden dann zunehmend rotieren nach dem Motto raus aus Bonds, rein in Aktien. Und für Privatanleger gilt sowieso: Bei steigenden Zinsen keine Anleihen kaufen – erst wenn sie oben sind oder zu sinken beginnen. Vielleicht kapieren dann immer mehr Menschen, dass wir im Zeitalter der Sachinvestments leben. Das wird sich nicht ändern. Ihr kennt ja meine drei Säulen: Aktien, Immobilien, Gold – plus Liquidität.