Tiberius-Analyse der Rohstoff-Zyklen

Chancen für längeren Preisaufschwung

Die aktuelle Entwicklung an den Rohstoffmärkten erscheint vielversprechend. Dr. Torsten Dennin, Leiter Anlagestrategie Tiberius Asset Management AG, analysiert im neuen Research Paper die unterschiedlichen Zyklen und Phasen an den Rohstoffmärkten der vergangenen 50 Jahre. Fazit: Viele Indikatoren sprechen dafür, dass eine Bodenbildung abgeschlossen ist und die Chancen für einen mehrjährigen Aufschwung gut stehen. Im Einzelnen lautet das Resümee wie folgt:
Der grade erst überwundene Preisverfall an den Rohstoffmärkten von mehr als 50% ist dramatisch, doch keine außergewöhnliche Entwicklung. Die Rohstoffmärkte und -preise beschrieben in den vergangenen 50 Jahren insgesamt drei Zyklen, die sich wiederum in vier Phasen unterteilen lassen: eine initiale Schockphase, eine Korrektur- und Expansionsphase sowie eine Kapitulationsphase.

Es ist verfrüht nach dem ersten Quartal 2016 von einer Rohstoffhausse zu sprechen, doch deuten die Anzeichen darauf hin, dass die letzten Monate geprägt von einem sich abschwächenden weltweiten Wachstum, einem starken US-Dollar, fallenden Zinsen und fallender Inflation die letzten Züge einer Kapitulationsphase an den Rohstoffmärkten beschreiben. Während des letzten Rohstoffzyklus kam dem wirtschaftlichen Erwachen der chinesischen Volkswirtschaft eine dominante Rolle zu. Wie im Abschnitt „Sonderfaktor China“ ausgeführt, sehen wir auf der aktuellen Basis ein positives Überraschungspotenzial für das Reich der Mitte als wahrscheinlich an. Das Sentiment bezüglich China ist negativer als die wirtschaftlichen Rahmendaten rechtfertigen.

Wie aus der Analyse der vergangenen 50 Jahre hervorgeht, ist ein bullisches Sentiment an den Rohstoffmärkten nicht zwangsläufig mit einem Anstieg der Wirtschaftsaktivität und einem steigenden Zinsniveau verbunden, vielmehr sollten sich Investoren auf ein Anziehen der Inflation und auf das Ende des Regimes eines starken US-Dollars fokussieren. Übertragen auf den Mikrokosmos der Energie- und Metallmärkte sind die Karten für eine sich abzeichnende Hausse bereits ausgelegt: die Preise vieler Rohstoffe haben bereits eine Bodenbildung vollzogen, verharren jedoch noch auf niedrigem Niveau, die (noch) positiven Marktsalden bauen sich ab, Sparmaßnahmen und Produktionskürzungen der Unternehmen greifen.
Der Ölmarkt ist mit einer rückläufigen US-Produktion und Preisen von rund 26 US-Dollar zu Anfang des Jahres 2016 hierfür ein Paradebeispiel. Diese Faktoren bestärken uns in der Prognose, dass sich auf Sicht von 2 bis 3 Jahren eine Situation abzeichnet, die erneut von negativen Marktsalden geprägt ist, in denen die Nachfrage das Angebot übertrifft und das durchschnittliche Preisniveau deutlich höher liegt. Im Rückblick werden wir dann wohl argumentieren können, dass wir in 2016 die Initialphase eines neuen, sich über mehrere Jahre erstreckenden Rohstoffzyklus gesehen haben.